Karate — eine Abhandlung

 


Was ist Karate?

Karate erlebt in der Welt eine noch nie dagewesene Popularität. Wir finden viele Informationen über Karate in Büchern, Filmen und Fernsehen. Es gibt kaum noch Leute, die noch nie gesehen haben, wie man mit bloßen Händen Steine und Holzbretter zertrümmern kann, oder wie ein einzelner Mann eine voll bewaffnete Gruppe außer Gefecht setzen kann. Aber Karate ist mehr als das:

Den Ursprung fanden alle Kampfkünste vor über 3000 Jahren in Indien, wo der Mönch Boddihirdarma - auch bekannt als Ta Mo (japanisch Daruma) - Tiere und deren Kampfweise studierte. In Indien entwickelte sich dann eine Kriegerkaste hervor, die bis heute das tödliche KALARI trainieren. Ähnlich den TUAREGS in Afrika sind sie eine geschlossene Gruppe, die nur tödliche Techniken – auch mit Waffen – trainieren.

Japanische Karate hat Wurzeln in dem chinesischen Boxen Ch'uan-fa (Kung-fu) oder Kempo, das noch heute in China ausgeübt wird und auf eine 2000–jährige Geschichte zurückblicken kann. Etwa ab 1600 entwickelte sich auf der Insel Okinawa, die schon immer in Verbidung zu China und Japan stand, eine Kampfkunst, die Okinawa–te genannt wurde. Diese Kampfkunst nahm besonders in den Perioden großen Aufschwung, in denen den Bewohnern Okinawas jeglicher Waffenbesitz verboten war.

Etwa 1920 brachte Gishin Funakoshi das Okinawa–te nach Japan. Nationale Strömungen gaben dieser Kunst den Namen Kara–te, was zunächst «China–Hand» bedeutete und später die Bedeutung «Leere Hand» erhielt. Die Silben Kara bedeutend in der japanischen Sprache sowohl «China» als auch «leer».

Modernes Karate

Den Anfang im Karate besteht aus einem Komplex von Übungen wie z.B. Abwehr– und Kontratechniken (TAI SABAKI) — Stellungen, in denen man sich richtg bewegt und ausweicht. In ausgereifter Form verbindet Karate physische Elemente mit psychologischer Erfahrung zu etwas, was von Meistern als «große Anrtiebskraft» bezeichnet wird. Wenn die Entstehung von großen Kräften Resultate intensiven Trainings sind, ist es möglich, Demonstrationen wie z.B. Bruchtest (TAMESHIWARI) zu vollbringen, die niemand für möglich hält. Dies sind jedoch oft Demonstrationen innerer Kraft; genauer gesagt, es sind Folgen von Schulungen, die unterstützt werden durch das heutige Wissen und damalige Methoden, die jahrhundertelang in fernöstlichen Klöstern ausgearbeitet worden sind.

Karate ist eine schulische Ausbildung geworden, in der Charaktere und deren psychische Eingenschaften gefestigt und durch strenges körperliches Training vervollkommnet werden. Dieser Weg ermöglicht es, ein Gleichgewicht zwischen Körper (TAI) und Geist (SHIN) zu erreischen - das eigentliche Ziel jeder Kampfkunst. Da dies sehr abstrakt klingt, hier ein paar Beispiele:

Modernes Karate

Die Stärkung des Körpers wir durch das harte Training erreicht, d.h. man wird in den Bereichen Kraft, Schnelligkeit und Koordination geschult, was wiederum das Selbstbewußtsein und die Wachsamkeit ausprägt. Karate lehrt und vermittelt, nicht eingebildet und verwegen zu sein, sondern tiefes Vertrauen in die eigene Kraft zu entwickeln, um mit seiner Umwelt richtig umgehen zu können. Karate lehrt Beherrschung und das Gefühl von innerer Ruhe – das ist wahres Karate – eine Kampfkunst in der man nach vielen Jahren harte Arbeit aufgehen kann; eine Einheit bilden kann zwischen der Umwelt und des eigenen ICHS. Jedoch muß alles einen Anfang haben, weil man große Dinge nicht in ein paar Tagen erreichen kann.

Karate Do — die geistige Bedeutung

Spirit - Symbolbild für Karate Do

Wie schon in der Einführung erwähnt, umfaßt das allgemeine Konzept der Karatekunst nicht nur die köperlichen Übungen. Vielmehr ist die eigentliche Übung die, über die körperliche Anstrengung seinen Geist zu schleifen, seinen Charakter zu formen und zu festigen. Dies ist erst der Anfang des Weges (DO), die Beherrschung des Körpers, um dann dem wirklichen Ziel, der geistigen Vollkommenheit näher zu kommen. shihan Royama sagte: "Man kann nur versuchen Vollkommenheit zu erreichen, den Vollkommenheit bedeutet mehr als 3 Leben...".

Bei der Verwendung des Wortes KARATE DO ist es wichtig, sich bewußt zu machen, das DO auf japanisch Weg bedeutet, was suggeriert, daß Techniken (blockieren,schlagen, treten...) nur ein Weg zum Ziel sind - als Mittel zum Zweck. Analog findet man dazu bei anderen Kampfkünsten das DO: JUDO, AIKIDO, KENDO...

Obgleich das DO nicht im Wort enthalten ist, spiegelt sich das philosophische Prinzp des Weges auch noch in der Kunst des IKEBANA und das CHANYO (der Perfektion und Konzentration von Denken und Handeln). Es scheint generell so zu sein, daß die fernöstlichen Kulturen sich schwer mit der europäischen oder amerikanischen Kultur vergleichen lassen. Die Ursache liegt vermutlich in den Unterschieden der Mentalität der Menschen, in der ganz anderen ursprünglichen Familien– und Sippentradition. Die Eigenartigkeit des Orients kann man gut an folgendem Beispiel zeigen:

Für uns Europäer sind IKEBANA und KARATE zwei ganz verschiedene Arten von Künsten. Nicht für den Japaner, denn für ihn haben diese beiden Künste viele Gemeinsamkeit; die gleiche Basis ZEN und das gleiche Ziel - Vollkommenheit und Harmonie.

Das Hauptziel des Karate ist - unabhängig von individueller Veranlagung und charakterlicher Entwicklung - einen bestimmten Grad der Selbstbeherrschung zu erreichen, um dann nach geistiger Harmonie zu streben. Es ist möglich, mit Hilfe von Karate einen Grad des Selbstbewußtseins zu entwicklen, der Aufregung, Streß und Gewalt vermeidet. Sosai OYAMA sagte dazu: «...Karate darf nicht aggressiv sein...» und auch Shihan FUNAKOSHI sagte, im Karate dürfte es keinen Angriff geben, KARATE NI SENTE NASHI (jap.: Im Karate gibt es keinen Angriff).

Wahrscheinlich ist das ein Punkt dafür, daß viele Menschen, auch von fremden Kulturenkreisen, wie z.B. Amerikaner oder Europäer sich von dieser Kunst so angezogen fühlen. Hier handelt es sich um das Streben nach höheren Idealen, nach Vollkommenheit und der Synthese von Körper (TAI), Geist (SHIN) und Technik (WAZA).