Gurtfarben

 


Was bedeuten die Gurtfarben im Kyokushinkai–Karate?

 

Kyu/Dan Farbe Mindestanzahl Monate
intensives Training
10. Kyu
Orange
3
9. Kyu Orange 3
8. Kyu Blau 3
7. Kyu Blau 3
6. Kyu Gelb 6
5. Kyu Gelb 6
4. Kyu Grün 6
3. Kyu Grün 6
2. Kyu Braun 6
1. Kyu Braun 12
1. Dan Schwarz 12
2. Dan Schwarz 24

wichtige Begriffe, die im Folgenden
immer wieder vorkommen:
Dachi
Grundstellungen
Tsuki
Handtechniken
Uke
Blockbewegungen
Geri
Fusstechniken
Kumite
Freier Kampf
Tameshiwari
Brechtechniken
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Der Weisse Gurt

Farben-Philosophie

Schwarz und Weiss kommen selten in ihrer reinsten Form vor, deshalb werden sie auch als Nicht–Farben bezeichnet. Weiss reflektiert alle hellen Wellen, absorbiert keine. Es beinhaltet alle Farben des Spektrums.

Somit symbolisiert der weisse Gürtel die Möglichkeit, alle anderen Gürtelfarben zu erreichen. «Du hast alles in Dir, das Training wird es aus Dir herausholen.» Alles wovon Du träumst, ist in Dir versteckt. Es ist vergleichbar mit einem kostbaren verkrusteten Stein, der mit dem Meissel aus Entschlossenheit zum Vorschein gebracht werden kann. Weiss ist die Farbe der Reinheit. Ein Schüler mit einem Weissgurt ist «rein», weil er den Anforderungen der Karate–Kunst unwissend gegenübersteht. Das Herz eines Anfängers ist voller Hoffnung.

Aus dieser Hoffnung spriesst die erste Begeisterung für das Training und Lernen. Vom ersten Sit–up an ist die Vollkommenheit der weissen Farbe fort, es gibt kein Zurück mehr. Der Gürtel saugt Schweiss und Staub auf und verliert seine ursprüngliche Farbe; damit beginnt die Reise aufwärts durch das Farbspektrum. Setze Ziele im Training und arbeite unermüdlich darauf zu. Jeder ist für die Entfernung, die er in seiner Entwicklung zurücklegt, selbst verantwortlich, und nur die ganze Hingabe verkürzt die Entfernung bis zum Ziel. Als Weissgurt gibt es keine Eile. Konzentriere Dich auf das Lernen der Dojo–Richtlinien und trainiere regelmässig. Arbeite an Deiner körperlichen Verfassung. Jeder Schüler, der bereit ist zu lernen, wird im Dojo anerkannt. Auch wenn etwas nicht sofort begriffen wird. Es ist keine Schande ein Weissgurt zu sein. Auch Dein Lehrer war mal Weissgurt.

Farbige Gürtel

Stufen der Stabilität

Denke immer daran, dass die Gürtelfarben nur symbolische Bedeutung haben und es wichtiger ist, die einzelnen Stufen des Lernens zu begreifen. Nach einigen Monaten des Trainings bekommt der Gürtel eine dunklere Schattierung. Man bereitet sich auf die Prüfung zum orangen Gürtel vor. Man verlässt das Weiss der Nicht–Farbe zum ersten Schritt auf dem Weg der Entwicklung.

Orange steht für die Stabilität der körperlichen Masse. Das bedeutet, dass man den eigenen Körper kontrollieren lernen muss. Eines der drei gedachten Körperzentren liegt im Endwirbel des Rückgrats. Richtet man darauf seine ganze Konzentration, erreicht man, seine Energie im Körper zu zentrieren, ihn in der Balance zu halten, ihn eins werden zu lassen mit dem Boden. Nur wenn man das beherrscht, stellt der Körper ein Hindernis für den Gegner dar und entwickelt sich nicht zu einem Problem für sich selbst. Für den Schüler, der den orangen Gürtel anstrebt, bedeutet das Element Erde, dass sich das Training während dieser Stufe auf die Aneignung körperlicher Stabilität bezieht. Dieses Verständnis kommt durch konzentriertes Training der Standarten Zenkutsu dachi, Sanchin dachi, Kiba dachi. Die Kontrolle beim Karate kommt durch das Erlernen, sein Gewicht in sich selbst zu zentrieren. Dies wird zusätzlich durch eine gute Körperhaltung unterstützt, ausserdem schafft man ein Empfinden, Beine und Füsse zu bewegen. Der Weissgurt, der sich auf den nächsten Gurt vorbereitet, ist sich in groben Zügen seiner Karatetechniken bewusst.

Das Wissen bezieht sich mehr oder weniger auf das Training der Muskeln und Knochen. Genau dort sollte der Anfänger seinen Schwerpunkt legen. Die Mechanik der Technik erlernt sich am ehesten, wenn man verstanden hat, nach welchen Prinzipien die einzelnen Körperteile funktionieren. Die Fähigkeit, durch die Techniken maximale Kraft und Stärke zu erzeugen, bekommt der Karateka erst durch die Koordination der einzelnen Körperteile.

Die Stufen

Der Weisse (/ Orange) Gurt

Die erste Lernstufe beginnt mit dem weissen (/orangen) Gurt (10. und 9. Kyu). Mit unablässiger Ausdauer kann man den schwarzen Gurt erreichen. Ein Weissgurt endet im Schwarzgurt, erkämpft mit ausdauerndem Training, mit schweissgebadeten Wettkämpfen und zahlreichen Niederlagen. Der weisse Gurt steht symbolisch für den Wunsch nach Aufstieg zur nächst höheren Stufe. Der weisse Gurt steht für Anfang, welcher verglichen werden kann mit der weissen Farbe, die alle Farben widerspiegelt, jedoch keine davon aufnimmt, weil weiss schon das Spektrum des Lichts in sich trägt. Der neue Karateka mit weissem Gurt fängt sein Training in absoluter Reinheit an, er kennt die Ansprüche, welche an ihn gestellt werden, noch nicht. Nach dem Schwarzgurt ist der Weissgurt der wichtigste im Leben eines Karateka, der sich allmählich mit allen neuen Techniken, mit den Übungen und den Anforderungen dieses Sports vertraut machen muss und sein Leben entscheidend verändern wird.

Der Blaue Gurt

Der Blaugurt (8. und 7. Kyu) folgt auf den Weiss-/Orangegurt und ist in Japan unter dem Namen Mizu iro obi (Farbe des Wassers) bekannt. Der Karateka, der mit dem blauen Gurt trainiert, entwickelt grundlegende Charakteristiken, die darin bestehen, auf die verschiedenen Körperaktionen biegsam zu reagieren, so wie sich das Wasser allen Formen anpasst. Der Karateka mit dem blauen Gurt muss körperlich und geistig flexibel sein. Das Training richtet sich auf die Koordination von Stellung, Gleichgewicht, Schnelligkeit und Form aus. Er lernt, sein Gleichgewicht und seine Techniken unter allen Umständen zu kontrollieren.

Der Gelbe Gurt

Nach mehrmonatigem, intensivem Training gelangt der Karateka zum gelben Gurt (6. und 5. Kyu), dessen Farbe an das Feuer erinnert. Gemäss der japanischen Philosophie befindet sich das Zentrum, wo sich die kreative, körperliche Energie und die psychische Ausgeglichenheit befinden, direkt unter dem Bauchnabel, das die Japaner «Hara» nennen. Der Schüler, der für den gelben Gurt trainiert, legt seine ganze Konzentration in das Hara. Er muss lernen, Kraft aus diesem Zentrum zu ziehen.

Ab Erhalt des gelben Gurtes soll sich der Schüler nicht mehr bloss auf das körperliche Training konzentrieren (Technik und Koordination), sondern auch auf das psychologische Training, das heist die Wahrnehmung, das Bewusstsein und die Notwendigkeit zu wissen, was man wert ist. Gemäss der japanischen Philosophie gibt uns das Element Feuer das Bewusstsein der dynamischen Kraft, die vom Karatewillen ausströmt. Nach und nach beginnt der Schüler des gelben Gurtes an seine Möglichkeiten zu glauben. Die Techniken werden raffinierter und schneller. Der Schüler des gelben Gurtes muss sich bewusst sein, dass sein Geist den Körper kontrolliert. Der gelbe Gurt ist die letzte Stufe für den Anfänger.

Der Grüne Gurt

Mit dem grünen Gurt (4. und 3. Kyu) beschreitet man die höheren Stufen. Grün verbindet die Farben Gelb (das Element des Feuers) und Blau (das Element des Wassers). Es ist der Grad der exakten Sensibilität und des Moments. Es obliegt dem Träger des grünen Gurtes, seine Techniken im günstigen Moment und mit einem Maximum an Wirkung anzuwenden. Die Anwendung von Techniken muss mühelos erfolgen, mit wenig Kraftanstrengung und mit Perfektion.

Der Braune Gurt

Braun ist die interessante Mischung der drei Grundfarben: 2/5 Rot (körperlich), 2/5 Gelb (geistig) und 1/5 Blau (seelisch).

Der Braungurt (2. und 1. Kyu) ist eine sehr wichtige Stufe, und das Training hierfür sollte in einem ernsten, verantwortungsvollen Rahmen des Geistes unternommen werden. Zum jetzigen Zeitpunkt sollte man in allen Techniken sehr sicher und ausdauernd und um weitere Verbesserung bestrebt sein. Um sich auf den Schwarzgurt vorzubereiten, bürdet sich der Schüler viel Verantwortung im Dojo auf. Kreativität ist gefragt. Der Braungurt entwickelt die geistigen und körperlichen Grundlagen des Karate.

Das Entwickeln eigener Katas –und diese über Jahre zu perfektionieren– ist eine Übungsform die den tiefen Sinn der Techniken hervorbringt. Objektive Vergleiche mit anderen Dojos, Schülern oder Stilrichtungen sind wichtig. Sehe den Sinn solcher Vergleiche, nämlich das Erkennen der eigenen Stärke durch das Verstehen der Schwäche anderer. Ich habe nie erlaubt, anderen Kampfsportarten gegenüber ignorant zu sein. Warum? Solche Ignoranz ist eine Entehrung eines jeden, der seinen Pfad des Kampfsportes verfolgt.» (Mas. Oyama)

Der Braungurt sollte zu einem ausgewogeneren Gleichgewicht zwischen Körper, Geist und Seele führen. Allzuoft wirkt der Braungurt selbstgefällig und zufrieden, weil er an der Spitze der Juniorgrade steht. Eine solche Person ist nicht reif, die Herausforderungen des YUDANSHA zu akzeptieren. Der Schüler ist wie ein Vogel an der offenen Käfigtüre, der zaudert, weiterzugehen auf seinem Weg in die Freiheit. Die Vorwärtsbewegung bleibt stetig, wenn die Energie in die richtige Richtung gesteuert wird. Trägheit hält zurück, wenn sich Selbstgefälligkeit einstellt. Sei wachsam und prüfe Dich.

Der schwarze Gurt

Schliesslich erreicht der Karateka sein eigentliches Ziel: den schwarzen Gurt, Symbol für die Anstrengungen, die damit verbunden sind. Schwarz enthält alle Farben, es ist die Farbe der Kraft. Der Erhalt des Shodan ist nicht als Ende, sondern als ein neuer Anfang anzusehen.

Innerhalb und ausserhalb des Dojo grüssen sich Karatekas mit dem Wort «Osu», das zahlreiche Bedeutungen hat. Es bedeutet vor allem soviel wie «Guten Tag», «Auf Wiedersehen», «Ich bin bereit», «Ich verstehe» usw. «Osu» wurde abgeleitet von «Oshi Shinobu», was soviel wie «in Bedrängnis bestehen» bedeutet. Hier wird der Karateka im Innersten der Seele berührt, einem Bereich, wo man seine persönlichen Grenzen überschreitet. Das Wort «Osu» enthält in sich das Äusserste, was Kyokushin Karate zu bieten hat. Es vermittelt uns eine ganze Lebensart.

Bei einem Anwärter für 1. Dan wird verlangt:

  • Mehr Ausdauer und Kondition als in früheren Prüfungen.
  • Die Fähigkeit, alle Techniken mit vollem Kime auszuführen.
  • Alle Techniken in Gyaku ausführen.
  • Die Fähigkeit, Grundtechniken zu erklären und zu lehren.

Der Prüfling muss physisch gesund sein, um alle Techniken zu zeigen. Verletzung ist kein Entschuldigungsgrund.

«Kraft ist nicht mehr als ein Bestandteil - nicht mehr als die Spitze des Eisberges der grenzenlosen Tiefe und Erhabenheit des Karate.» (Mas. Oyama)

Der Schritt vom Braungurt zum Schwarzgurt ist der wichtigste im Leben eines Karateka. Bis zum Braungurt wird der Schüler noch immer durch die Anforderungen der farbigen Gürtel beeinflusst. Der begehrte Schwarzgurt ist das Ziel vieler Karatekas. Doch viele sind nicht in der Lage, sich den hohen Anforderungen zu stellen. Wie wir gesehen haben, kommt Schwarz in seiner reinsten Form, genau wie Weiss, selten vor. Aus vielen Gründen wird Schwarz daher als eng verwandt mit dem Blau des 5. Centrums, dem "Vishuda Chakra", dem Element der Leere, angesehen. Es ist die Farbe des Geistes. Es ist die Farbe, die das Reich jenseits des Körperlichen darstellt und ist daher nicht in einer Farbskala zu erreichen. Wenn man noch mehr Blau dieser Braunmischung hinzufügen würde (man also mehr Gleichgewicht zwischen Körper, Geist und Seele anstrebt), entstünde ein sehr dunkles Grau, die Farbe, die dem Schwarz im Spektrum am nächsten liegt. Daher ist Schwarz der nächste Vertreter des Geistes für den Karateka. Es ist die farblose Farbe, die alle Farben in sich vereinigt. Das Training spiegelt diese Auffassung wieder. Schwarz ist die Farbe der Stärke. Um nochmals den Vergleich zum Maler und seinen Farben zu benützen: Schwarz ist zu farbintensiv, als dass es leicht von anderen Farben überdeckt werden kann.

Das Erreichen des Schwarzgurts ist allerdings nicht das Ende der Reise, sondern ein neuer Anfang. Es ist keine Zeit, Stolz und Eigenlob zu pflegen. Der Bereich des Schwarzgurts hat 10 Stufen. Genau wie die 10 Stufen der farbigen Gürtel, hat auch hier jede Stufe ihre eigene Bedeutung. Wenn der Yudansha sich unermüdlich weiterbildet, auch in späteren Jahren des Lebens, verändert er sich. Genauso wie der Weissgurt, der sich nach und nach schwarz färbt, bleicht der Schwarzgurt nach und nach aus und wird wieder weiss. Der Kreis hat sich geschlossen. Der Meister wird wieder zum Schüler. Der ganze Prozess kann wiederholt werden, auf einer anderen Ebene. Nämlich in den Bereichen jenseits reiner Technik, jenseits einer durchschnittlichen Persönlichkeit. Die Kunst der ehrlichen Selbstbeobachtung ist die neue Waffe des Schwarzgurt-Schülers. Man nimmt Entwicklungen in den eigenen Gedanken wahr. Analysiere Deinen Geist und stelle fest, ob Dein Denken dem eines Schwarzgurts oder mehr dem eines Rotgurts entspricht. "Der Geist eines Kriegers ist gelassen" Heijoshin.Bleibe gelassen, egal wie sehr Du provoziert wirst. Trage das Bild des Meisters in Dir und versuche ihm nachzueifern. Im Training offenbart die Selbstbeobachtung klar Deine vielen Schwächen. Stelle fest, warum Dich Dein Gegner übertrumpft hat und beseitige diese Schwächen. Die Zeit der Meditation die auf das Training folgt, ist die beste Möglichkeit, das eigene Handeln zu überdenken. Du kannst nichts vor dem Spiegel der Selbstbeobachtung verstecken. Der Meister ist der Anfänger, der nie aufgegeben hat, um sich zu vervollkommnen. Habe Vertrauen in Deine Möglichkeiten und sei ehrlich zu Dir selbst.

Formale Bedingungen:
Bitte beachten Sie, dass auch die Techniken und Katas aus früheren Prüfungen gezeigt werde müssen.

a) Ist der Prüfling unter 27 Jahren, muss er sich über internationale Kampferfahrung ausweisen können.
b) Ist der Prüfling über 27 Jahre, so kann von der internationalen Kampferfahrung abgesehen werden; der Prüfling muss aber trotzdem den Freikampf und die Techniken beherrschen.
c) Der Charakter des Prüflings sowie seine Fähigkeit als Instruktor werden in die Bewertung mit einbezogen.